Interview with Persoenlich.com
1. Was waren Ihre Beweggründe für den Wechsel zu Kuble?
Ich komme aus der Selbstständigkeit. Mit editoria33 habe ich mir über die letzten Jahre einen eigenen Arbeitsraum aufgebaut, mit viel Freiheit, Eigenverantwortung und Selbstbestimmung. Entsprechend war für mich klar: Wenn ich wieder stärker in ein Unternehmen hineingehe, dann muss es ein Umfeld sein, das wirklich zu meiner Denkweise passt.
Bei Kuble hatte ich sehr schnell das Gefühl, dass genau diese Verbindung da ist. Kuble spricht nicht nur über KI. Das Team arbeitet täglich damit und entwickelt auch die eigenen Prozesse damit weiter. Gleichzeitig bleibt die entscheidende Frage immer präsent: Was bedeutet Technologie für Menschen, für Unternehmen, für Lernen und für die Art, wie wir künftig zusammenarbeiten?
Z.Bsp. solche Formate wie «Lernen lernen mit KI», bei dem Eltern und Kids gemeinsam entdecken, wie KI das Lernen verändert, haben mich besonders angesprochen. Auch, weil es zeigt, dass es bei Kuble um Verständnis, Orientierung und einen bewussten Umgang mit Veränderung geht. Technologische Innovation steht im Vordergrund, aber nicht blind. Der Blick auf den Menschen, auf Bildung und auf gesellschaftliche Verantwortung bleibt zentral.
Genau in diesem Spannungsfeld denke und arbeite ich seit Jahren. Brand, Storytelling, Technologie und Social Innovation verbinden sich dort sehr natürlich. Bei Kuble kann ich diesen Bogen nun in einem sehr konkreten Umfeld weiterführen.
2. Welche Erfahrungen möchten Sie einbringen?
Bei der NZZ habe ich gelernt, komplexe Inhalte für jüngere Zielgruppen kreativ zu öffnen. Bei Too Good To Go habe ich erlebt, was möglich wird, wenn Kommunikation mit einem konkreten gesellschaftlichen Ziel verbunden ist. Die Partnerschaft mit dem Schweizer Bauernverband war für mich zum Beispiel mehr als ein B2B-Projekt. Sie hat gezeigt, wie Marketing helfen kann, ein reales Problem sichtbar zu machen und konkrete Lösungsansätze emotionaler zu vermitteln.
Seit 2022 führe ich parallel editoria33, mein Studio für Markenidentität, Storytelling und kreative Kommunikation. Dort habe ich viel darüber gelernt, wie man mit AI-Werkzeugen arbeitet, ohne die eigene Stimme zu verlieren. Für mich bleibt die Geschichte im Zentrum. Das Tool arbeitet im Hintergrund.
Diese Denkweise bringe ich zu Kuble. Strategisch, kreativ, technologisch neugierig, aber immer mit Blick auf den Sinn, die Wirkung und die Sprache. Gerade im KI-Bereich wird das immer wichtiger.
3. Gibt es ein Projekt, auf das Sie besonders stolz sind?
Aktuell sicher Marin the Sailor. Eine Kinder-Storyworld, die ich mit editoria33 entwickle. Es geht um einen Seemann aus Knete, das Meer und die Frage, wie Kinder über Geschichten einen Zugang zu Natur, Aufmerksamkeit und Verantwortung finden.
Das Projekt ist mit AI-Videotools entstanden, aber die Technik ist nicht der Kern.Spannend ist für mich die Arbeitsweise dahinter. Ich habe die Website per Vibe Coding gebaut, mit Deep Research aktuelle Erkenntnisse zu Kindererzählungen, Ocean Literacy und Wahrnehmung vertieft, und mit Tools wie Claude Code begonnen, eigene Wissenssysteme für das Projekt aufzubauen. Es geht darum, Know-how, Stil, Regeln und Erfahrungen so zu strukturieren, dass ein Projekt konsistent wachsen kann.
Damit verändert sich auch meine eigene Rolle im Prozess. Ich produziere nicht mehr jeden Schritt mühsam einzeln, sondern baue und führe ein System mit klarer Intention, Regeln und Qualitätskontrolle. Genau dieses Orchestrieren wird immer wichtiger und ist hochaktuell: Wo liegt die Intelligenz eines Projekts? In einzelnen Chats? In Dokumenten? In Ordnern? Oder in Systemen, auf die man zurückgreifen kann? Marin ist für mich ein kreatives Labor dafür.
Und persönlich ist es auch deshalb wichtig, weil ich heute Geschichten umsetzen kann, die ich früher vielleicht nur im Kopf gesehen hätte. Neue Technologien verkürzen den Weg zwischen dem Bild vor dem inneren Auge und der sichtbaren Welt. Das ist für jemanden, der stark aus Bildern, Atmosphäre und Geschichten denkt, eine enorme Möglichkeit.
4. Was sind Ihre grössten Stärken?
Ich komme stark vom Storytelling. Mich hat schon immer fasziniert, wie man Themen auf neue, überraschende Weise erzählen und Sehgewohnheiten bewusst durchbrechen kann. Nicht um Aufmerksamkeit um jeden Preis, sondern um Menschen anders hinschauen zu lassen.
Daraus kommt auch mein Gespür für Sprache. Das gilt für Texte, Konzepte, Kampagnen und visuelle Ideen. Ich frage früh: Was ist die eigentliche Geschichte? Was soll jemand fühlen, verstehen oder weitererzählen? Erst danach kommen Format, Kanal und Umsetzung.
Und ich bringe eine starke Verbindung aus Strategie, Sprache, visueller Sensibilität und AI-Anwendung mit. Ich sehe AI nicht als Ersatz für Geschmack, Erfahrung oder Urteilskraft. Im Gegenteil. Je mehr produziert werden kann, desto wichtiger wird die Fähigkeit, genau hinzuschauen, zu kuratieren und klare Entscheidungen zu treffen.
Früher hiess es oft: Gute Ideen kann man haben, aber die Umsetzung ist schwierig, teuer oder langsam. Neue Technologien verschieben dieses Verhältnis. Die Umsetzung wird zunehmend zugänglicher und besser unterstützt. Dadurch wird die Idee selbst wieder entscheidender: die Intention, die Botschaft und der Blick dafür, was wirklich relevant ist.
Das ist eine grosse Chance, aber auch eine Verantwortung. Wenn alles schneller produziert werden kann, wird die Frage wichtiger, was überhaupt produziert werden soll. Genau dort sehe ich eine meiner Stärken: im Verbinden von Strategie, Storytelling, visueller Sensibilität und einem sehr bewussten Umgang mit neuen Technologien.
5. Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
Ich denke weniger in einem festen Führungsstil als in einer Kommunikationskultur und einer Kultur des gemeinsamen Arbeitens. Ich habe in den letzten Jahren mit editoria33 mit den unterschiedlichsten Menschen, Partnern und Disziplinen gearbeitet. Da geht es selten um klassische Hierarchien. Es geht darum, gemeinsam etwas zu kreieren.
Ich glaube nicht an Hierarchie als Selbstzweck. Gute Arbeit entsteht, wenn Menschen offen sagen können, was sie sehen, wo sie Zweifel haben und was sie beitragen möchten. Das braucht Klarheit, aber auch Neugier und Empathie.
Je mehr Kommunikation über Chatbots, Tools und automatisierte Systeme läuft, desto wichtiger wird menschliche Kommunikation. Bewusster zuhören, klarer und ehrlicher formulieren, empathischer miteinander umgehen.
Für mich bedeutet Leadership, Orientierung zu geben und einen Raum zu schaffen, in dem Menschen gut arbeiten können: mit Anspruch, Klarheit und Menschlichkeit.
6. Welche persönlichen Ziele haben Sie für Ihre Zeit bei Kuble?
Kuble hat über Jahre echte Substanz aufgebaut. Das Unternehmen befasst sich nicht erst seit gestern mit KI, sondern arbeitet seit 2017 damit.
Der Swiss AI Desk, die Kuble Academy, Road to Knowledge und die Services rund um AI-Transformation bilden zusammen ein System, das Menschen und Unternehmen konkret befähigt. Mir gefällt daran besonders, dass Kuble nicht nur Lösungen anbietet, sondern auch Lernräume schafft. Dieses Credo des lebenslangen Lernens passt sehr gut in eine Zeit, in der sich Arbeit, Kommunikation und Wissen so schnell verändern.
Mein Ziel ist, dass diese Substanz nach aussen noch klarer und sichtbarer wird. Nicht als reine Aussendarstellung, sondern so, dass man besser versteht, was Kuble tatsächlich leistet. Die Marke soll spürbar machen, dass hier Menschen arbeiten, die AI nicht nur erklären, sondern täglich anwenden, hinterfragen und weiterentwickeln.
Gerade dieses Verständnis von lebenslangem Lernen möchte ich stärker sichtbar machen. Langfristig möchte ich dazu beitragen, dass Kuble als Beispiel wahrgenommen wird und vielleicht sogar inspiriert, wie technologische Innovation und gesellschaftliche Verantwortung zusammenfinden können. Für mich ist das einer der wichtigsten Bögen der nächsten Jahre.
7. Welche Marketingtrends finden Sie momentan besonders spannend?
Mich beschäftigt weniger ein einzelner Trend als die grössere Verschiebung dahinter.
AI verändert gerade, wie schnell Inhalte, Bilder, Kampagnen und ganze digitale Systeme entstehen können. Was früher aufwendig, teuer oder technisch weit weg war, rückt näher an die Idee heran.
Das ist enorm spannend. Gleichzeitig steigt dadurch der Wert von Vertrauen, Klarheit und echter Relevanz. Viele Brands werden in den nächsten Jahren noch mehr produzieren. Die entscheidende Frage wird aber sein, wer wirklich etwas zu sagen hat und für wen es überhaupt relevant ist.
Dazu kommt eine neue Herausforderung: Ein wachsender Teil von Inhalten wird nicht mehr nur von Menschen konsumiert, sondern von Suchsystemen, AI-Modellen, Bots und Assistenten verarbeitet. Das verändert, wie wir über Botschaften, Kontext und Glaubwürdigkeit nachdenken müssen.
Der Mensch bleibt entscheidend. Seine Rolle verändert sich aber. Wir werden stärker zu Orchestratoren von Systemen. Wir setzen die Richtung, verbinden die Werkzeuge, stellen Qualität sicher und entscheiden, was wirklich nach aussen geht. Empathie, Kreativität und Urteilsvermögen rücken dadurch noch stärker ins Zentrum.
Ich glaube, dass Marketing wieder menschlicher werden muss, gerade weil die Technik so schnell wird. Unternehmen, die AI bewusst einsetzen und gleichzeitig emotionale Intelligenz, gesellschaftliche Verantwortung und den bewussten Umgang mit Wissen ernst nehmen, werden nachhaltiger wirken als jene, die nur reagieren, sei es mit blinder Geschwindigkeit oder mit Stillstand.
Herzlichen Dank an persönlich Verlags AG fürs Gespräch ✨